Apfel ist nicht gleich Apfel

Die Apfelernte wird  im Herbst 2017 leider historisch schlecht ausfallen, im Alten Land rechnet man mit einem Rückgang um 36 % zum Vorjahr, in Baden-Württemberg rechnet man sogar mit einem Rückgang um Zweidrittel. Nichtsdestotrotz bleibt der Apfel das beliebteste Obst der Deutschen. Durchschnittlich 20 bis 30 Kilo Äpfel verputzt jeder von uns im Jahr. Da lohnt es sich die Frage zu stellen, ob man beim Apfelkauf etwas falsch machen kann. Denn Apfel ist nicht gleich Apfel!

Weltweit gibt es über 30.000 verschiedene Apfelsorten, 2.000 allein in Deutschland

Die Sortenvielfalt unserer Äpfel ist riesig: Von den über 30.000 bekannten Apfelsorten werden in Deutschland immerhin fast 2.000 angebaut. Doch im Supermarkt findet man eigentlich nur 6-8 verschiedene Sorten. Woran liegt das?

Äpfel werden mittlerweile so gezüchtet, dass sie in Monokulturen massenhaft produziert werden können. EU-Richtlinien geben Größe und Gewicht in Qualitätsnormen vor und die Zuchtäpfel sind größtenteils resistent gegen Schädlinge. Trotzdem werden sie bei der konventionellen Anbauweise gespritzt und diese Agrargifte nehmen wir beim Essen mit auf. Bio-Äpfel weisen dagegen keine Rückstände von Pestiziden auf und sind deshalb gesünder. Der Vitamingehalt wird von Witterung im Anbaujahr, Anbauort und vor allem der jeweiligen Sorte beeinflusst.

Apfel-Allergiker haben meist keine Probleme mit alten Sorten

Man unterscheidet mittlerweile alte und neue Apfelsorten. Zu den „Alten“ gehören zum Beispiel der Boskoop oder der Gravensteiner. Zu den bekanntesten neuen Sorten zählen Jonagold und Granny Smith. Letztere werden jedoch von vielen Menschen nicht vertragen. Ein Grund sind die fehlenden Polyphenole, die in Pflanzen beispielsweise als Farb- oder Geschmacksstoffe vorkommen. Sie sind vor allem in den alten Apfelsorten enthalten.

Bei den neuen Apfelsorten wurden die Polyphenole fast gänzlich herausgezüchtet, denn sie machen die Äpfel sauer und begünstigen die schnelle Bräunung. Polyphenole sind sekundäre Pflanzenstoffe. Darum gilt: Je mehr Polyphenole, desto mehr sekundäre Pflanzenstoffe. Also nicht nur Allergikern sei geraten zu alten Sorten zu greifen, sondern auch allen, die möglichst viele Nährstoffe vom Apfel erwarten.

Streuobstwiesen bieten die beste Vielfalt

Der gesündeste Apfel kommt von einer ökologischen Streuobstwiese. Im Gegensatz zu einer konventionellen Monokultur-Plantage wachsen hier hochstämmige Bäume locker nebeneinander, alte und neue Apfelsorten und auch andere Obstsorten wie Birnen und Kirschen finden sich meist zusammen auf einer bewirtschafteten Streuobstwiese. So gehört sie zu den artenreichsten Biotopen in Mitteleuropa. Mehr als 5000 Tier- und Pflanzenarten leben auf einer gesunden Streuobstwiese und diese natürliche Umgebung verleiht dem Apfel seinen urtypischen vollmundigen Geschmack. Und weil er sich ohne Hilfe gegen Wind und Wetter, gegen Schädlinge und natürliche Feinde schützen muss, hat er die geballte Ladung an Vitaminen, sekundären Pflanzenstoffen und Mineralien. Davon profitieren wir als Verbraucher am meisten.

Äpfel von der Streuobstwiese finden wir leider selten im Supermarkt, da liegen hauptsächlich die Äpfel der Handelsklasse 1, die optisch allen Normen entsprechen. In Bio- oder Feinkostläden dagegen kann man schon eher zum ökologischen Streuobstwiesen-Apfel greifen. Und im besten Fall kauft man direkt ab Hof, so unterstützt man zusätzlich die regionalen Anbauten und hilft deren Bestand zu sichern.