Chronisch erschöpft?

Häufigkeit von Long Covid

Zur Prävalenz von „Long Covid“, also zur Anzahl der Covid-Patientinnen und -Patienten, die auch Monate nach der Erkrankung noch Symptome haben, gebe es sehr unterschiedliche Aussagen, sagt Sarah Wolf. Bei den nicht im Spital Behandelten waren es ein bis drei Monate nach der Erkrankung fünf bis 36 Prozent. Drei bis sechs Monate nach der Erkrankung waren es zwei bis 21 Prozent. Bei den Hospitalisierten ist die Spanne ähnlich groß: Ein bis drei Monate nach der Erkrankung waren es 39 bis 72 Prozent, drei bis sechs Monate danach 51 bis 68 Prozent. „Es ist also schwierig, die Ergebnisse zusammenzufassen“, so Wolf.

Laut Studien sind mehr Frauen von „Long Covid“ betroffen als Männer. Hier könnte jedoch auch soziale Erwünschtheit eine Rolle spielen: Männer empfänden ihren Gesundheitszustand in Befragungen prinzipiell besser als Frauen, erklärt Wolf.

Was Kinder und Jugendliche betrifft, dürfte ihr „Long Covid“-Risiko niedriger sein als das Erwachsener, wie eine Studieaus Großbritannien, erschienen in „The Lancet Child and Adolescence“, zeigt. Acht Wochen nach der Infektion litten nur rund 1,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen weiterhin an Erschöpfung, Kopfweh oder Geruchsstörungen. Gedächtnisverlust und Leistungsabfall wurden in der britischen Studie mit mehr als 1.700 infizierten fünf bis 17-Jährigen gar nicht beobachtet.

Epstein-Barr-Virus und “Long Covid“

Seit einiger Zeit steht das Epstein Barr Virus (EBV) in Verdacht „Long Covid“ zu verstärken. Bis zu 95 Prozent aller Menschen tragen das EBV in sich. Eine Infektion erfolgt meist im Kindesalter und bleibt folgenlos. Nur bei einer Infektion im Jugend- oder Erwachsenenalter kann das Virus das Pfeiffersche Drüsenfieber auslösen. EBV ist ein Herpesvirus; es schlummert nach einer Infektion im Körper. Stress, Umwelteinflüsse oder andere Infektionskrankheiten können es reaktivieren, weshalb man auch annimmt, dass es das Chronische Erschöpfungssyndrom hervorruft bzw. verstärkt.

Frühzeitiges Reagieren auf die EBV-Reaktivierung mit Anti-Herpesvirus-Wirkstoffen wie Ganciclovir oder auch naturheilkundlicher Behandlung könnte die Vermehrung der Viren reduzieren und möglicherweise die Entwicklung von Long- Covid hemmen, so die Vermutung der Forscher.

Quellen: DOI 10.3390/pathogens10060763 und DOI 10.1038/s41598-021-90351-y