Eier gut – Light Produkte schlecht. Die neuen 10 Regeln der DGE

Die 10 Regeln der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) waren in Fachkreisen schon lange ins Kreuzfeuer der Kritik geraten – als veraltet und überholt bezeichnete sie beispielsweise Johannes Scholl, Vorsitzender der Deutschen Akademie für Präventivmedizin. Angestoßen wurde die Überarbeitung u.a. durch eine Petition zweier Ernährungsfachleute.

Nun hat die DGE also reagiert und die Regeln „auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse angepasst, sprachlich überarbeitet und konkretisiert“ Augenfällig ist zunächst die neue Kommunikationsstrategie. Während die bisher gültigen Regeln eher starr und unflexibel waren, bleibt nun Platz für individuellen Spielraum. Genaue Grammangaben sind beispielsweise ungefähren Richtwerten gewichen. Außerdem wird bereits in der ersten Regel, die wie bisher eine vielfältige Ernährung empfiehlt, auf einen hohen Anteil pflanzlicher Lebensmittel hingewiesen.

Weniger Kohlenhydrate – auf Vollkorn setzen

Inhaltlich betrifft die grundlegendste Änderung die Kohlenhydrate. Statt der bisherigen Empfehlung zu einem Löwenanteil an Kohlenhydraten in der Nahrung („Reichlich Getreideprodukte sowie Kartoffeln“) heißt es nun: „Vollkorn wählen“, Ballaststoffe aus Vollkorn würden das Risiko für Diabetes Typ, Fettstoffwechselstörungen, Dickdarmkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken.

Grundsätzlich nichts geändert hat sich an der Empfehlung von 5 Portionen Obst und Gemüse pro Tag, jedoch ist die Regel von Position 3 auf 2 aufgestiegen und erstmals werden explizit Hülsenfrüchte und Nüsse als Empfehlung genannt.

Das Ende der Light-Produkte

Hinsichtlich der Fette hat sich die Empfehlung von einer möglichst fettarmen Ernährung zu einer Empfehlung von gesundheitsfördernden Fetten gewandelt. Besonders bemerkenswert: die  Empfehlung fettarmer Produkte ist weggefallen. Rehabilitiert wurden hingegen die Eier, für ihren Verzehr gibt es nun keine Beschränkung mehr.

Kritisch: Zucker und Salz

Auch beim Zucker hat sich einiges getan: Während früher zum maßvollen Verzehr geraten wurde, heißt nun unumwunden: „Mit Zucker gesüßte Lebensmittel und Getränke sind nicht empfehlenswert.“  Beim Salz wurde erstmals eine Höchstmenge (6 gr/Tag) genannt, es sollte nach wie vor mit Jod, und jetzt zusätzlich auch mit Fluorid, angereichert sein.

Experten üben Kritik

Vielen Experten geht darüber hinaus die Überarbeitung nicht weit genug. Für Johannes Scholl ist beispielsweise die Warnung vor Zucker nur halbherzig, die Folgen insbesondere von Fruktose-Glukose-Mischungen seien als gravierend bekannt und sollten Niederschlag in den Empfehlungen finden. Ebenso kritisiert er die Auswahl der empfohlenen Fette, da in den neuen Empfehlungen nur Rapsöl genannt werde und andere gesundheitsfördernde Fette, wie z. B. Olivenöl, nicht erwähnt werden.

Unverändert blieb auch das empfohlene Nährstoffverhältnis. Hier hätte der Eiweißanteil deutlich nach oben und der Anteil an Kohlenhydraten nach unten korrigiert werden müssen, so der Bundesverband Deutscher Ernährungsmediziner.

Das ist neu – die wichtigsten Änderungen auf einen Blick:

  1. Vielfältig essen
    Neu ist die Empfehlung „Wählen Sie überwiegend pflanzliche Lebensmittel.“
  2. Obst und Gemüse
    Aufgestiegen von der dritten an die zweite Position. Nach wie vor werden 5 Portionen Obst und Gemüse empfohlen, explizit eingeschlossen werden jetzt jedoch auch Hülsenfrüchte und Nüsse.
  3. Kohlenhydrate
    Statt „reichlich Getreideprodukte – und Kartoffeln“ heißt es nun „Vollkorn wählen“.
  4. Tierische Lebensmittel
    Werden nur noch als Ergänzung empfohlen, bei den Milchprodukten fällt die Empfehlung für fettarme Produkte weg. Der Verzehr von Eiern wird nicht mehr eingeschränkt.
  5. Fette
    Der neue Hinweis lautet „Fett liefert lebensnotwendige (essenzielle) Fettsäuren und fetthaltige Lebensmittel enthalten auch fetthaltige Vitamine“, während vorher generell zu fettarmen Produkten geraten wurde.
  6. Zucker und Salz
    Das Prädikat „nicht empfehlenswert“ ist neu für Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel. Beim Salz wird die Höchstmenge von 6 Gramm eingeführt.
  7. Flüssigkeit
    1,5 l pro Tag bleibt als Empfehlung bestehen, am besten als Wasser oder kalorienfreien (früher: kalorienarmen) Getränken. Alkohol wird nun gar nicht mehr empfohlen, vorher hieß es: gelegentlich und in Maßen.
  8. Zubereitung
    Nach wie vor sollen Lebensmittel schonend zubereitet werden, neu ist hingegen die explizite Warnung vor verbrannten Lebensmitteln.
  9. Achtsamkeit
    Hier gibt es keine wesentlichen Neuerungen: gefragt ist nach wie vor langsames, bewusstes Essen.
  10. Gewicht und Sport
    Auch hier gibt es nicht viel neues: sein Gewicht sollte man in Blick haben und 30 bis 60 Minuten Bewegung pro Tage sind ideal.

 

[1] http://www.dge.de/presse/pm/10-regeln-der-dge-aktualisiert/

[2] http://www.spiegel.de/gesundheit/ernaehrung/gesunde-ernaehrung-die-dge-hat-ihre-10-regeln-erneuert-a-1165566.html