Ernährung bei Stress oder Stress durch Ernährung?

Wir leben in einer hektischen Welt, Stress ist für viele Menschen mittlerweile ein Normalzustand. Er hat vielfältige Auswirkungen auf den Körper und er verändert unbewusst das Essverhalten vieler Menschen. Leider nicht zum Positiven. Kurzfristig kann es Patienten dadurch schwerer fallen, Empfehlungen zu Ihrer Ernährung umzusetzen, langfristig kann ein Nährstoffmangel die Folge sein – Aspekte, bei denen es sich lohnt, sie in der Ernährungsberatung im Hinterkopf zu behalten.

Was ist Stress eigentlich?

Stress ist eine unspezifische Reaktion des menschlichen Körpers auf jegliche Anforderung, die an den Menschen gestellt wird. Dabei ist es unerheblich, woher der Stressor kommt. Die meisten Menschen denken bei Stress sofort an berufliche und familiäre Belastungen. Stress löst dabei einen Mechanismus aus: In einer stressigen Situation schaltet der Körper auf „Flucht“ um, da er Stress als Bedrohung wahrnimmt. Der Adrenalinstoß, der durch Stress ausgelöst wird, leitet das Blut weg von den Verdauungsorganen und hin zu Gehirn, Herz und Muskeln. Durch diesen Prozess wird der Körper in die Lage versetzt, schnell zu reagieren und im Notfall schnell zu flüchten. Essen ist in dieser Phase nicht nötig.

Ernährung in Stressphasen
Stress hat dabei häufig Einfluss auf das Ernährungsverhalten – unerheblich, ob es sich um akuten oder chronischen Stress handelt. Je nach Intensität des Stresses, Geschlecht oder Alter fallen die Veränderungen der Ernährung unterschiedlich aus. Die Menge der aufgenommenen Ernährung verändert sich bei Stress ebenso wie die Vorliebe für bestimmte Nahrungsmittel. Aber auch die Essgeschwindigkeit erhöht sich bei Stress deutlich und hat zusätzlich Auswirkungen auf die Nahrungsaufnahme.

Stress-Esser und Stress-Hungerer

Bei lang anhaltendem Stress leiden viele Menschen unter Appetitlosigkeit bis hin zu Übelkeit. Für manche Menschen ist jedoch Stress ein Auslöser für vermehrte Nahrungsaufnahme. Sie essen bei Stress mehr als gewöhnlich und nicht weniger. Wer wie reagiert, hat unterschiedliche Auslöser – endogener und exogener Art.
Menschen mit Übergewicht neigen bei Stress eher dazu, noch mehr zu essen und das Verlangen nach süßen Speisen nimmt bei Ihnen deutlich zu. (1) Es wird davon ausgegangen, dass übergewichtige Personen bei Stress so reagieren, als hätten sie Hunger. Sie essen mehr und beruhigen sich damit. Stress verändert nicht nur das Essverhalten Übergewichtiger, es ist auch an sich ein Risikofaktor für die Entstehung von Übergewicht. Normalgewichtige Personen hören dagegen bei Stress eher auf zu Essen. Sie leiden vermehrt unter Appetitlosigkeit und Übelkeit.

Zum Stress-Esser werden Menschen meist eher bei leichteren Stressbelastungen. Überlastung, Einsamkeit oder Zeitdruck führen dazu, dass mehr als gewöhnlich und vor allem häufiger gegessen wird. Zum Stress-Hungerer werden Menschen häufig bei extremen Stressbelastungen. Der Tod eines nahen Familienangehörigen oder der Verlust des Arbeitsplatzes führen eher dazu, dass Betroffene deutlich weniger essen als gewöhnlich.

Veränderung der Nahrungsvorlieben
Nicht nur die Menge der aufgenommenen Nahrung ändert sich, häufig greifen Gestresste auch zu anderen Lebensmitteln. Der Griff zu ungesunden Nahrungsmitteln wie Fast-Food, Fertiggerichten und Süßigkeiten ist dabei weit verbreitet. In der Folge können Störungen in der Nährstoffversorgung auftreten.

Veränderung der Essgeschwindigkeit und Häufigkeit
Bei Zeitdruck und hohen Anforderungen essen Stress-Esser häufig viel schneller als gewöhnlich. Dadurch nimmt die Wahrscheinlichkeit zu, zu große Mengen zu verzehren und an Gewicht zuzunehmen. Dazu kommt, dass oft nicht mehr die drei großen Hauptmahlzeiten eingehalten werden, sondern wahllos zwischen den Mahlzeiten genascht wird, ohne wirklich hungrig zu sein.

Nährstoffmangel als langfristige Folge
Bei langanhaltendem Stress sind viele Menschen nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, da sie unter Zeitdruck selten frisch kochen und häufig zu ungesunden Snacks greifen, die schnell verfügbar sind. Doch gerade bei Stress benötigt der menschliche Körper vermehrt Vitalstoffe, um weiterhin leistungsfähig zu bleiben.
Bei chronischem Stress nimmt der Magnesiumspiegel ab und der oxidative Stress im Körper wird erhöht. Daher ist eine ausreichende Zufuhr von Magnesium (2) und Antioxidantien (Vitamine A, C, E) für Personen mit chronischem Stress elementar. Um stressigen Phasen besser begegnen zu können, benötigt der Körper ausreichend Nervennahrung unter anderem durch B-Vitamine, Folsäure, Kalium oder Eisen.
Eine ausgewogene Ernährung versorgt den Körper mit ausreichend Nährstoffen. Empfehlen Sie ihren Patienten eine abwechslungsreiche Ernährung, die vorwiegend aus pflanzlichen Bestandteilen besteht. Auch auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist zu achten.

Auf eine ausgewogene Ernährung achten
Bei stressgeplagten Patienten ist eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung zu empfehlen. Eine Ernährungsberatung durch Ärzte oder Heilpraktiker kann einen wesentlichen Beitrag zu einer Umstellung auf eine gesunde Ernährung leisten. Aufgrund fehlender Zeit, ungenügendem Wissen und nicht ausreichender Einsicht werden die Empfehlungen zu einer notwendigen Ernährungsumstellung jedoch häufig nicht umgesetzt.

 

Quellen:

1) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3384690/

2) https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK507250/