Stressen wir unsere Kinder durch falsche Ernährung?

Zu wenig Obst und Gemüse kann Stresshormonspiegel von Kindern erhöhen!

Wir haben es immer vermutet, aber nun ist es belegt. Der Einfluss der Ernährung auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen ist größer als bisher angenommen. Dies brachte eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Untersuchung zu Tage. Die Ergebnisse der jüngst in der Fachzeitschrift „Kidney International“ veröffentlichten Studie zeigen, dass schlechte Ernährung mit zu wenig Obst und Gemüse zu einem erhöhten Stresshormonspiegel bei Kindern führen kann. Die damit verbundene ernährungsbedingte Übersäuerung wurde als Auslöser für die gesteigerte Produktion des Stresshormons Cortisol identifiziert.

Übersäuerung mit Folgen

Die ernährungsbedingte Übersäuerung und die damit verbundene gesteigerte Cortisolproduktion können nach den Beobachtungen des Forschungsteams nicht nur zu einer verringerten Knochenstabilität, sondern auch zu erhöhten Blutdruckwerten bei Kindern führen. Hier greift ein hormoneller Mechanismus, über den die Qualität der Ernährung langfristig auf unsere Gesundheit wirkt, beginnend bereits bei der kindlichen Entwicklung.

Über die Studie

Bei dieser Untersuchung handelte es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen dem Dortmunder Außenlabor „DONALD Studie“ (Dortmund Nutritional and Anthropometric Longitudinally Designed) der Universität Bonn und dem international renommierten Steroidhormonforschungslabor an der Kinderklinik der Universität Gießen.

In die Studie wurden 200 gesunde Kinder eingeschlossen, die ohne Vorgaben zu ihrer Ernährung jeweils über 24 Stunden Urin gesammelt hatten. In den Urinproben von 100 dieser Kinder wurde vor Beginn der Hormonmessungen eine niedrige Säureausscheidung über die Nieren gemessen, in den anderen 100 Urinproben eine hohe. Die Säureausscheidung über die Nieren gilt als ein verlässlicher Biomarker zur Beurteilung der Nettosäurebelastung des Gesamtorganismus. Bei den Kindern, die eine erhöhte Säurebelastung im Urin aufwiesen, wurde nicht nur eine erhöhte Ausscheidung des Stresshormons Cortisol gemessen, sondern auch spezifische zelluläre Cortisol-Umbauprodukte wie 6-beta-Hydroxycortisol oder Cortison.

Wissenschaftler der Universität Bonn, die an der Studie beteiligt waren, gehen davon aus, dass den Glucocorticoid-Hormonen, also dem Cortisol und Cortison eine wichtige Rolle bei der Vermittlung von langfristigen ungünstigen Ernährungseinflüssen auf das Skelettsystem und auf andere relevante Gesundheits-Parameter zukommt.

Obst und Gemüse zur Neutralisierung der Säuren

Zur Bestätigung der Ergebnisse wird nun im Rahmen der DONALD-Studie gezielt das Hormonsystem von gesunden Kindern analysiert, die spezifisch nach ihren Ernährungsgewohnheiten ausgewählt wurden. Die eine Gruppe verzehrt in der Regel sehr viel Obst und Gemüse, die andere sehr wenig. Laut den betreuenden Wissenschaftlern können Obst und Gemüse die täglich im Stoffwechsel entstehende Säurebelastung neutralisieren und einer Übersäuerung entgegenwirken.

Diese lässt also den Schluss zu, dass eine möglichst naturnahe Nahrungsergänzung sinnvoll und wichtig ist. Gerade in Phasen des Wachstums und bei Kindern, die als „Problem“-Esser gelten, sollte eine Mangelernährung vermieden werden, da dies zu intellektuellen, neurologischen und psychologischen Problemen führen kann.

Literatur:

Higher diet-dependent renal acid load associates with higher glucocorticoid secretion and potentially bioactive free glucocorticoids in healthy children. Jonas Esche, Lijie Shi, Alberto Sánchez-Guijo, Michaela F. Hartmann, Stefan A. Wudy, Thomas Remer Kidney Int. 2016 Aug;90(2):325-33. doi: 10.1016/j.kint.2016.02.033. Epub 2016 May 8