Wie bekomme ich mehr Zeit?

…… von der Zeit!

Wir haben so viele digitale Helferleins, unsere Arbeitszeit hat sich über die Jahre verkürzt (ja, echt!) – theoretisch müssten wir alle mehr Zeit haben als alle Generationen vor uns, oder? Praktisch fühlen sich die meisten aber mehr gehetzt als jemals zuvor. Wie kann das sein?

Liegt es daran, dass ein physikalisches Phänomen die Zeit auf unserem Globus verdichtet hat und sie immer schneller verrinnt? Laut Studien namhafter Physiker wird dies verneint. Also: NEIN, die Geschwindigkeit der Zeit ändert sich nicht. Unsere Zeit ist immer gleich lang. Aber wir neigen dazu, immer mehr in sie hinein zu packen. Vor wenigen Jahren waren es noch Radio und Fernseher, die uns in unserer Freizeit zuhause unterhielten oder eben auch von anderen Aktivitäten ablenkten – heute tragen wir Facebook, WhatsApp und Konsorten permanent mit uns herum.

Auf diese Weise wird jeder zum gehetzten Wesen, meist ohne es zu merken. Wir checken Mails im Bus, telefonieren in der Bahn, Essen im Gehen und das alles nur um dadurch vermeintlich mehr Zeit für uns selber, Freunde und Familie  zu bekommen. Klingt irgendwie illusorisch, oder nicht?

Obwohl sich die Lebenserwartung in Deutschland seit 1870 ungefähr verdoppelt hat, sich unsere Wochenarbeitszeit von Anfang des 20. Jahrhunderts von rund 57 auf 38 Stunden verringert hat, fehlt sie uns immer mehr – die Zeit! Wir könnten jetzt sowohl Momo fragen: „Wer sind die grauen Herren?“, als auch etwas wissenschaftlicher starten und unser Problem mit einer chronologischen Ursachenforschung beginnen – wo und wann begann die Misere?

Heute kann mit einiger Sicherheit behauptet werden, dass mit der industriellen Revolution in Europa nicht nur Dampfmaschine und Eisenbahn als Beschleuniger erfunden wurden, sondern unsere Uhren, quasi als Mutter aller Maschinen, völlig neue Maßstäbe setzten. Die Frage der Pünktlichkeit wurde zu einer Frage der Moral und Zeit wurde zum wertvollen Rohstoff, den es so effizient wie möglich zu nutzen galt.

Benjamin Franklin wird der berühmt, berüchtigte Satz „Zeit ist Geld“ zugeschrieben, um den sich das Karussell unserer Gesellschaft immer mehr und schneller dreht.

Betroffen davon ist wirklich jeder, ganz egal ob Arzt, Manager, LKW-Fahrer oder Kassiererin – die Menge dessen was getan werden muss ist immer größer als die zur Verfügung stehende Arbeitszeit. Die Steigerungs-„Logik“ des Wirtschaftssystems gleicht dabei einer Art Rennen auf einem rutschenden Abhang, wie es der Soziologe Hartmut Rosa so bildreich beschreibt.

Doch auch unsere Freizeit bleibt nicht verschont. Ob Software-Update, das Kaufen neuer Kleidung, der Besuch im Fitness Studio oder die Schul-, Sport und Musiktermine unserer Kinder – alles kommt auf die private To-Do Liste, die wir nach Feierabend abarbeiten wollen. Wie das leider all zu oft endet ist hinlänglich bekannt. Du liegst spät abends gerädert im Bett und haderst mit Dir, dass Du nicht alles geschafft hast!

Wer stiehlt uns also unsere Zeit? Ich denke die Antwort liegt mittlerweile auf der Hand. WIR sind es, WIR sind die grauen Herren – und wir tun es auch noch quasi freiwillig, da wir nicht bereit sind auf ‚Sachen‘, materiell wie immateriell, zu verzichten. Wir unterwerfen uns dem Credo einer Gesellschaft, die sich über das „Mehr“ und nicht das „Weniger“ definiert  Was also tun?

Wie verlasse ich das Hamsterrad und entkomme der Fließbandhetze?

Es gibt nie den Zeitpunkt an dem alles erledigt ist und jeder gelesenen und erledigten Email folgt zwangsläufig eine neue – also zum Teufel nochmal hört nicht auf das perfide, schlechte Gewissen, das euch vorhält nicht genug dafür getan zu haben, um entspannt zu sein!!!

Greife aktiv zu und hole Dir Deine Zeit wieder zurück. JederZEIT, in jedem Moment… Am besten SOFORT! NIMM sie Dir, die Zeit für Deine täglichen Mahlzeiten, die Zeit um genügend zu schlafen statt abends zu glotzen oder zu surfen und auch wenn es vielleicht ganz neu für Dich oder etwas ungewohnt sein sollte… Nimm Dir die Zeit auf (D)einer Yogamatte um ganz bewußt abzuschalten, im „Hier und Jetzt“ zu sein und Dich dem Diktat unserer Uhren zu entziehen!